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Unternehmensgründung und Businessplan

 

Fachartikel:  

Unternehmensgründung und Businessplan – mehr Schein als Sein?

 

von Wolfgang Bartholner & Christian Ploy

 

Papier ist geduldig. So mancher Businessplan erweckt den Anschein, als müsse sich das neu zu gründende Unternehmen das Geld nur abholen – es scheint alles perfekt zu passen. Doch der Schein trügt. Die Insolvenzstatistik für Österreich stellt demgegenüber fest, dass jedes 10. neugegründete Unternehmen nach einem Jahr bereits nicht mehr auf dem Markt ist; nach 4 Jahren musste bereits ein Drittel der Unternehmen wieder zusperren. Warum bekamen diese Unternehmen die Höchststrafe: Insolvenz? Wieso waren die Unternehmen nicht in der Lage, diese doch überschaubare Zeit zu überleben?

Betrachtet man auch den Rest der Neugründer, löst das auch eher Unbehagen aus, denn von 10 neugegründeten Unternehmen sind weitere 4 in den roten Zahlen, verlieren also Geld und weitere 3 steigen in etwa ausgeglichen aus, verdienen also kein Geld. Lediglich 2 von 10 neuen Unternehmen verdienen gutes Geld. Kann man ein Muster ausmachen, was diese Jungunternehmer erfolgreicher macht?

Einen Ansatzpunkt für die Analyse liefern klassische betriebswirtschaftliche Methoden mit dem sogenannten „magischen Dreieck“ der Unternehmensgründung: Geschäftsidee – Unternehmer(team) – Finanzierung. Jeder dieser Eckpunkte birgt Chancen aber auch Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg.

Beginnen wir mit der Geschäftsidee, da diese zumeist am Anfang eines Gründungsprozesses liegt. Man kann davon ausgehen, dass es an der Idee nicht mangelt, denn sonst würde ja gar keine Unternehmensgründung erfolgen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass auch die brillanteste Idee am Anfang wirtschaftlich gesehen eher wertlos ist, wenn sie nicht sorgfältig geprüft und ausgearbeitet wird. Dazu sind zahlreiche Recherchen und Diskussionen mit Experten und Freunden notwendig. Prüfen Sie unbedingt den Innovationscharakter der Idee. Entweder Sie bringen ein komplett neues Produkt oder eine Dienstleistung auf den Markt oder die Idee geht in Richtung eines neuen Geschäftsmodells, am besten beides. In beiden Dimensionen unterscheidet man noch, ob es sich um eine inkrementelle oder eine radikale Innovation handelt, je nachdem, ob Bestehendes weiterentwickelt oder etwas gänzlich Neues gefunden wurde.

Denken Sie aber auch an den Markt, wo Sie Ihre Idee verkaufen wollen und suchen Sie die Mitbewerber. Denn wenn es keine Mitbewerber gibt, könnte es sein, dass es auch keinen Markt gibt! Beschreiben Sie in Ihrem Businessplan auch möglichst genau den Nutzen Ihrer Idee für den Kunden, das gibt Ihnen später eine Orientierung, was Sie dafür verlangen können. Stellen Sie präzise die Ertragsmechanik des Geschäftsmodells dar, also woran verdienen Sie wie Geld. Und vor allem: wie und wo werden Sie Ihre Idee verkaufen? Wer ist der erste Kunde? Wie gewinnen Sie weitere?

Versuchen Sie am besten, mit einem Experten für Unternehmensgründungen all diese Stolpersteine aus dem Weg zu räumen!

Der zweite Eckpunkt der Gründung ist der Unternehmer oder das Unternehmerteam. Werden Sie selbständiger Einzelunternehmer, muss Ihnen eines klar sein: sie arbeiten selbst und ständig. Eine Unternehmensgründung erfordert viel Vorbereitungsarbeit und Sie sind zuständig für die gesamte Spanne von administrativen Tätigkeiten bis hin zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Dazwischen liegen Leistungserstellung, Akquisition und Kundenbetreuung sowie gesetzlich vorgeschriebene Tätigkeiten wie Behördenwege oder die lästige Buchhaltung. All das müssen Sie in einer Person abdecken!

Bei Gründerteams fällt die Sache schon etwas leichter, da hier meist komplementäre Fähigkeiten im Team vorhanden sind. Aber auch hier gilt: das Team sollte mehr leisten als nur die Summe der einzelnen Personen! Stellen Sie im Businessplan genau die Fähigkeiten des Teams dar – aber auch jene, die (noch) nicht vorhanden sind und wie sie diese für das Unternehmen zur Verfügung stellen wollen. Scheuen Sie sich nicht davor, gewisse Tätigkeiten (z.B. EDV, Controlling oder Buchhaltung) extern zu vergeben, denn dann haben Sie von der ersten Minute an einen erfahrenen Experten an Ihrer Seite!

Aber auch dieser Eckpunkt der Gründung birgt ein grundsätzliches Risiko: sind Sie zum Unternehmer geboren? Hand aufs Herz: kennen Sie das Profil, welches notwendig ist, um ein Unternehmen zu führen und zu entwickeln? Welche speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten oder Persönlichkeitsprofile ein Unternehmer haben sollte (Soft Skills)? Haben Sie alle davon? Die gute Nachricht: gewisse Elemente kann man im Wege von Individual-Coaching oder Spezialtrainings erwerben. Fehlen aber wesentliche Komponenten, geht es Ihnen wie eingangs erwähnt: es schaffen nur 2 von 10 Neugründern, wirklich profitabel zu arbeiten.

Der dritte wesentliche Eckpunkt bei der Gründung und bei der Entwicklung Ihres Businessplans sind die Finanzen. Dabei müssen Sie sämtliche Erkenntnisse aus den ersten beiden Eckpunkten nun in Zahlen, Daten und Fakten übersetzen: was soll mein Produkt oder die Dienstleistung kosten? Wie viele Einheiten kann ich davon verkaufen (Stückplanung)? Welchen Aufwand muss ich dafür betreiben (Wareneinsatz, Zukauf von Fremdleistungen, Vertrieb, Marketing, Büro, Rechnungswesen, Telekommunikation u.v.m.)? Welche Investitionen sind für die Umsetzung meiner Idee notwendig? Haben Sie diese Überlegungen fertig, entsteht eine Art Cash-Flow Rechnung, die Ihnen anzeigt, welchen Finanzierungsbedarf Sie haben. Sind genug Eigenmittel vorhanden? Benötigen Sie fremdes Kapital? Gibt es Förderungen? Dies ist einer der heikelsten Punkte bei der Gründung, da viele daran scheitern, dass Sie nicht ausreichend finanziert sind. Das Papier des Businessplans ist geduldig – wenn Sie sich hier verschätzen und die Umsätze sich nach hinten verschieben, während die Kosten munter weiterlaufen, haben Sie gleich am Anfang die erste Liquiditätskrise zu meistern, was bei Ihrer Hausbank nicht gerade Glückshormone ausschüttet. Sehr rasch wird die Bonität herabgestuft und dadurch der Zugang für weitere benötigte Finanzierungen erschwert. Sehen Sie sich daher auch auf diesem Gebiet nach einem Experten um, der Ihnen bei der Erstellung des Businessplans zur Seite steht.

 

Zusammenfassend kann man nun die eingangs gestellte Frage ganz gut beantworten: Ja, es gibt diese speziellen Erfolgsmerkmale, die entscheiden, ob eine Unternehmensgründung nachhaltige Tragfähigkeit besitzt. Technisch gibt es kaum Probleme bei der Gründung, hier gibt es ausreichendes Unterstützungs- und Beratungsangebot durch die Wirtschaftskammer oder Ihren Anwalt oder Steuerberater. Dort erfahren Sie alles über Gewerbeberechtigung, Betriebsanlagengenehmigung oder Rechtsform samt notwendigem Vertragswerk, Eintragung ins Firmenbuch oder Registrierung bei Finanzamt und Sozialversicherung.

Der wahre Schlüssel jedoch liegt in der Qualität und der Ausarbeitung der Idee, der Soft-Skills der individuellen Unternehmerpersönlichkeit und einer profunden Finanzierung. An diesen Punkten unterscheidet sich eine erfolgreiche Gründung von einer weniger erfolgreichen. Sie sind das wahre Kriterium, ob der Businessplan eher Schein ist – oder sich doch zur Realisierung eignet. Erörtern Sie daher diese Schlüsselkriterien mit Ihrem Unternehmensberater oder Coach und minimieren Sie Ihr Unternehmerrisiko! Weil es das wert ist.

 

Wolfgang Bartholner & Christian Ploy

 

 

 

 

 

 

 

 

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